INDIGENIAL*

8. März 2020 Bodytext

Mein ost-westlicher Diwan transformiert mit seinem fernöstlichen, kalligrafischen Ansatz das westliche Informel, das eine Negation der gegenständlichen und abstrakten Form war und in seiner Negation steckenblieb, in eine Entstehungsform. Die Negation der Negation macht aus dem Malprozess ohne feste Form ein „Sich-Selbst-Bildendes“ das, indem endlich auch im Atelier der Mythos des Schöpfers aufgehoben wird und das Bild nicht mehr durch den Maler durch ihn hindurch geschieht, keine Architektur einer „Neuen Welt“, die Performance einer „Neuen Zeit“ ist. Die Dualität zwischen Bildung und Einbildung, Chaos und Ordnung, Form und Leere wird aufgehoben, indem aus dem Entweder-oder, der Statik einer Weltschöpfung, -eroberung oder -verbesserung, das Sowohl-als-auch, die Dynamik des Zeitlosen wird. Im Rhythmus der Ewigkeit ist alles immer auch sein Gegenteil, der Tag wird zur Nacht, die Nacht zum Tag, so dass die freie Assoziation zwischen den Polen, das raum- und zeitlose „Hier und Jetzt“ das Ewige ist, das was immer ist, während alles andere vergeht. Das Bewusstsein „Ewigkeit“ ist das Von-Selbst-Bewusstsein, es stellt sich von selbst ein und ist nur dann ein „von Selbst“ wenn das Selbst-Bewusstsein, die Projektion des Geistes in Welt und Zeit zur Identität überwunden wird. Dann ist das Bild vom Leben, das die Religionen untersagen und die Aufklärung zum Weltbild erhebt, kein „Extrem“ mehr, kein „Ab-Bild“ ein „Vor-Bild“, kein „Mittendrin“ ein „Dazwischen“. Umgekehrt befreit der gestische Ansatz des westlichen Informels die östliche Kalligrafie aus dem Ritual schöner (gottgewollter) Schrift. Indem aus dem Hintergedanken eine spontane Zeichnung wird verwandelt sich der kognitive Text in einen Bodytext, das Denkzeichen in eine Zeigegeste, die den Geist vor dem Gedanken zeigt, so dass hier die KI – das „Kalligrafische Informel“ – ein Bild entstehen lässt das weder ein Leitbild (Idee) hat, noch Folgerichtigkeit (Logik), Logos (Bewusstsein) ist.

* Als „Indigenialität“ bezeichnet der Biologe und Philosoph  Andreas Weber  die eingeborene Genialität oder Genialität der Indigenen