DIE NARRATION OHNE SUJET

„Was stellen Sie so her? Ich stelle Unverständnis her“ (Monika Rinck)

Der Mensch orientiert sich an Zeichen, die er selbst nicht setzen kann, und an Zeichen, die er selbst gesetzt hat. Im Malprozess geschehen sie als schöpferische Kraft durch ihn hindurch, übertreffen als „fremde Zeichen“ den Schöpfer. „Fremde Zeichen“ sind magisch, weil sie wahr in sich und für sich sind. Von diesem „Nichts“ soll hier die Rede sein und nicht von der „zeitgenössischen Kunst“ und ihrem „mit allen Mitteln der Kunst nichts schildern“. Das coole Nichts, das nicht erzählt, begann mit der „zufälligen Begegnung von Nähmaschine und Regenschirm auf einem Seziertisch“ (Lautréamont). Die poetische Zündung führte zur abstrakten „Geste an sich“ (1), zum „Bildgegenstand ohne Erzählung“, mit dem die Surrealisten den „Automatismus“ (2) und „kontrollierten Zufall“ (3) zur „poetischen Objektivität“ erhoben. Das „absichtslose Tun“ (4) in der fernöstlichen Kalligrafie macht es anders. Es hat auch ein „Nichts“, doch hier behauptet nicht der Verstand das „Nihil“, hier ist das Nichts „absolut“: Der Urgrund auf den existentiell das Leben durch den Tod gestellt ist. Betrachten wir vom Nichts aus das Leben, so wird die Geste von einem „Rhythmus der Freude“ (5) bestimmt, ist sie das „grundlose Glück“, die „Erzählung ohne Bildgegenstand“. Das „Zeitgenössische“ in der Kunst ist nun zeitlos, zeigt in der Gegenwart die Ewigkeit, die Zeichensetzung übertrifft das Zeichen, das Thesenhafte die Nachahmung, und Wahrheit und Schönheit kommen in einer „geistgeborenen Wirklichkeit“ (6) zusammen. Kunst geschieht im „Feld der Leere“ als „Nicht-Ich-Nicht-Geist“ (7) durch den Künstler hindurch, bezieht die Betrachter mit ein, verlangt „Erkenne (dich) selbst“. (8)

Im „Feld der Leere“ ist jeder Mensch ein Künstler. Die Achtsamkeit im Auge des Betrachters gelangt von der sinnlichen Erfahrung der Bildoberfläche zur freien Assoziation der Einbildungskraft, indem das Bild wie Schrift gelesen wird. Doch im Gegensatz zur Schrift, deren Zeichen zur kollektiven Verständigung einer festgelegten Semiotik folgen, zeigt das „offene Bild“ in „Kalligrafie“ und „Informel“ eine wilde, spontane, unmittelbar, direkte Semiotik und ist dabei keineswegs Zufall. Die wilde Semiotik stellt die durch festgelegte Zeichen ferngehaltene Präsenz des Lebens, das „Lebenleben“ (9), eine durch freie Assoziationen weltweit verstandene, kollektive Kommunikation, wieder her. „Die Vögel fliegen still durch uns hindurch: Weltinnenraum“ (10), dichtet Rilke. Zwei vom Alltagsbewusstsein getrennte Welten, das Innen und das Außen werden in einem Satz, im „Kalligrafischen Informel“, in einem Bild angesprochen. Das reißt die Wahrnehmung aus der Routine, es entsteht ein Spalt, ein Dazwischen. Den nutzt das Gewahrsein zum Etagensprung und schaut nun nicht mehr objektiv auf Farbe, Form und Rhythmus, nimmt sich die Freiheit, aus Farbe, Form und Rhythmus, mit den Augen der „geistigen Natur“ (11) radikal subjektiv eine „Entstehungsform“ (12) zu erkennen: „Ich seh hinaus und in mir wächst der Baum“ (Rilke).

Diesen Blick von innen, aus dem „Maschinenraum“ der geistigen Natur haben noch heute Menschen mit monolithischen und pantheistischen Weltanschauungen. Sie kennen keine Unterscheidung zwischen Geist und Natur, leben proflexiv (erahnend) in einer „beseelten Natur“: „Pachamama“ (13) oder eingeboren in eine „Kosmologie“: „Ying und Yang“ (14) und „Nirvana“ (15). Anders das abendländische Denken. Es vollzog in der römischen Antike mit der Formel „Teile und herrsche“ (16) die Trennung zwischen Geist und Natur (17) und wurde dadurch ein dualistischer Geist, der das reflektierte „Ding“ über die Natur stellt. Das zuvor Eine, das durch die vertikale und horizontale Spannung von Geist und Natur „Von-unten-Angesprochen-Sein“ als „Mutter Erde“, das ohne Ziel Weg ist, bekam mit dem „Ding“, dem „Vater Himmel“, ein „Von-oben-Angesprochen-Sein“, eine von der Horizontal- abgenabelte Vertikalspannung, mit der der Weg nur noch Mittel zum Zweck ist (18). Aus der „religare“, der Rückbindung des Geistes, die die viertausend Jahre alte indische Rigveda beschreibt: „Wer hat, woher die Schöpfung stammt, vernommen? Die Götter sind diesseits von ihr entsprungen! Wer sagt es also, (…) oder weiß auch er es nicht?“, war bereits im Judentum ein „Ding“ – der „Schöpfergott“, als „brennender Dornenbusch“ noch ein internalisiertes „Etwas“ geworden, das als römische Staatsreligion mit dem Christentum externalisiert, im „Off“ der „Allwissende“ ist. Das Weltinnen-Wissen wird nun Kirchengut, der Gläubige darf sich als „Ebenbild Gottes“ fühlen und predigen: „Ich aber sage euch“ (19) und der Atheist ist der „In die Welt Geworfene“ (20), der „Sündenfall“, die traumatisierte „Psyche“, die nur noch das gezeitigte Leben hat.

Der dabei in die geistige Natur Eingeborene prägt bereits pränatal seine „Indigenialität“ (21), im Weltinnen eine Ahnung vom Weltaußen, die „Zwei-Einheit“ (22) heraus. In dieser Beziehung hat sich nichts geändert. Wir sind alle Wilde geblieben, als Eingeborene auf die Welt gekommen und haben als abgenabeltes Baby auf dem Bauch der Mutter liegend instinktiv von selbst die Brust gefunden, obwohl wir das Weltaußen noch nicht kannten, wir hatten von innen uns eine Ahnung gebildet und konnten so blind, tastend sehen… Krass unterschiedlich ist hingegen der Blick der Kulturen auf die Geburt. Im monolithischen Weltbild verliert sie ihren Vor-Anfang nicht, verwandelt dieser sich im Leben in das Nach-Ende, während in der dualistischen Weltanschauung das Pränatale und Postmortale aus dem Diesseits verschwinden. Religiös sind sie das ewige Leben in Gott, aus dem wir kommen, in das wir wollen, in dem der Gläubige ewig bleibt. Für den Atheisten ist das anders. Er kennt kein Eingebunden-Sein in ein Jenseits, er hat nur das Diesseits, die säkularisierte Welt. So stört und verwirrt ihn das Jenseits, sieht er in ihm eine durch die Moderne längst überwundene Vergangenheit. Die vierte mögliche Sicht soll an dieser Stelle nur angedeutet und in späteren Abschnitten vertieft werden: Wir können das Leben auch vom Tode her betrachten und mit „leeren Händen“ aus dem Weltinnen heraus frei und glücklich leben, statt es mit „besitzenden Händen“ im Weltaußen zu verteidigen…

Das Weltinnen-Wissen ist existenziell ein Nichtwissen, keine Dummheit: Ahnung, der berühmte Satz des Sokrates: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ (23). Dieses Wissen ist dunkel, passiv, still, proflexiv, irrational, nichtlogisch, intersubjektiv – „Ich bin, weil du bist“ (24), das pränatal gesetzte „a priori“, der „Logos“, der instinktiv, intuitiv, imaginär die „Weisheit des wilden Denkens“ ist. Von dieser „geistigen Natur“ nabelt sich die „kolonialisierte Natur“ mit dem Weltaußen-Wissen ab, indem sie dessen Genialität – die helle, technische, transparente, reflexive, beweisbare, intellektuelle, differenzierte, isolierte, rationalisierte, expansive Seite des Geistes, die „Logik“ zur Welt erklärt und das vom Subjekt getrennte, auf das Objekt ausgerichtet Wissen, die Macht des Gemachten, zur Weltherrschaft führt. So hat die Universi(ali)tät und Technik der „Neuen Welt“ (25) die „zweite Natur“ (26) herausgebildet, die dabei ist durch „künstliche Intelligenz“ keinen „zweiten Menschen“, eine sich selbst programmierende Mensch-Maschine zu erschaffen, die, nach dem Willen der Entwickler, zum natürlichen Menschen ein Verhältnis haben wird, wie dieser zum Tier.

Natur bringt notwendig Welt, das Innenleben eine Außenwelt hervor, denn der Geist kann nicht ohne Körper und der Körper nicht ohne Geist sein. Beide bringen zusammen den Geist-Körper „Lebendigkeit“ hervor. Die Welt des Menschen ist dabei ein geistiger Fortschritt: „Die Natur schlägt im Menschen die Augen auf und bemerkt, dass sie da ist“ (Schelling), der für Hegel auch ein technischer Fortschritt vom „Verharren im Anderssein“ (Natur) zur „Form des Anderssein“ (Historie) – zur Erkenntnis logischer Naturgesetze des  Menschen in der Nichtlogik der Natur ist. „Aber jeder Betrug“, warnt Hegel, „den er gegen die Natur ausübt, und mit dem er innerhalb ihrer Einzelnheit stehen bleibt, rächt sich gegen ihn selbst; was er ihr abgewinnt, je mehr er sie unterjocht, desto niedriger wird er selbst“ (27). Über diese Mahnungen aus einer Zeit, in der die Welt erst vermessen wurde, hat sich der „technische Fortschritt“ längst hinweg gesetzt.

Die atheistische „Neue Welt“ ist noch immer getrieben vom „Sündenfall“. Wenn das Leben nur das ist, was sich nach der Geburt und vor dem Tod vollzieht, dann ist es ein gezeitigtes, das, wie der Sand in der Sanduhr, seinen Raum verliert. Diese Demütigung des Säkularisierten, des reflexiv denkenden Menschen durch das Leben selbst, das Paradox „Tod durch Leben“, ist im proflexiven Gewahrsein des Geistes, im Hier und Jetzt, in dem das Nicht-Wissen als All-Wissen uns instinktiv den Rücken stärkt, aufgehoben. So kennt das Weltinnen keinen Tod. Das Sujet des Lebens ist permanent ein anderes, das Baby war ein anderes Leben als das Kind, als der Jugendliche, der Erwachsene, und dennoch immer die gleiche Narration: Das ewige Leben, das durch die Verkörperung Zeit erschafft und diese in Ewigkeit verwandelt, indem sie den vom Körper begrenzten Horizont in unendliche geistige Weiten transzendiert. In sich empfindet der Sterbende den Tod als Erlösung. Die Religionen haben aus der „fröhlichen Wissenschaft“ Natur eine himmlische Geschichte gemacht und die Aufklärung hat lediglich den Gott (bei Hegel sehr anschaulich nachzulesen) vom Himmel auf die Erde geholt und dabei den Himmel, das „Feld der Leere“, vergessen. Eingebunden in die Schwerkraft des Todes lebt der Atheist im irdischen Jammertal, weil die Erkenntnis das Erkannte von dessen Vor-Anfang und Nach-Ende isoliert. So ist der Atheist zum Propheten für den „Urknall“ (versus Schöpfung) und die „Apokalypse“ (versus Erlösung) geworden, hat der Gottlose seinen eigenen Gott, die Rationalität, und seinen eigenen Teufel, das Irrationale, erschaffen.

Die Demütigung des Denkenden durch das Leben selbst führt entweder vom Hochmut der Erkenntnis zur Demut der Einsicht, vom „Neuen Wissen“ zur „Neuen Haltung“, die akzeptiert, dass der Tod und mit ihm das „nihil“ (Nichts), der Urgrund des Lebens ist oder es befeuert die Hybris, den Kampf gegen den Tod – den Glauben man könne das ewige geistige Leben materialisieren. Der „technische Fortschritt“ ist Menschwerdung, der „Fortschrittsglaube“ dessen Vernichtung. Der Mensch ist durch Arbeit, durch das Benutzen seiner Hände Mensch geworden. Die Hand ist die „Universität des Lebens“, sie hat Herz und Hirn gebildet und das Werkzeug, die Technik – den Umgang mit den Naturgesetzen gefunden, mit der aus dem Überlebenskampf des Menschen ein Leben in und mit der Natur wurde. Die Erfindung der Maschine ist die Krönung, der Mensch beherrscht mit ihr endgültig Naturgewalt, ist zugleich der Kipppunkt, an dem der Geist aus der Hand gegeben wird und vergisst, dass alles immer auch sein Gegenteil ist. Intelligenz isoliert von der Natur wird zum Programm, das den Programmierer beherrscht. Der aus der Naturgewalt Emanzipierte wird Sklave der eigenen Erfindungen, technischer Fortschritt ist ohne geistigen Rückschritt nicht zu haben.

Geistiger Fortschritt ist Demut, während materieller Hochmut nährt. Der Kapitalismus hat Neid und Gier materialisiert und fordert für sich von der Evolution eine Ausnahme: Unbegrenztes Wachstum!, scheitert damit vor unseren Augen… Natur ist gewinnend, indem sie nicht profitabel ist und effektiv, indem sie absichtslos ist. In ihr ist alles, in sich selbst begrenzt. Die Grenze des „technischen Fortschritts“ ist der geistige Fortschritt, fort von den Propheten des „geistigen Fortschritts“. Schelling, Fichte, Hegel bis hin zu Feuerbach, Marx und Engels, holten den „absoluten Geist“, den die Religionen als „Gott“ im Himmel platziert haben, lediglich auf die Erde. Er ist dabei das „positiv Absolute“ geblieben, das säkularisiert zur „positiven Ontologie“ wurde, die sich einst in der „Diktatur des Proletariats“ als „Weltrevolution“ und heute in der „Diktatur des Kapitals“ als „grenzenloses Wachstum“ austobt. Doch Mensch und Natur können nicht im Fortschritt des Einen vom Anderen, nur gemeinsam fortschreitend weltmodern sein. „Kein Dichter auf Erden vermag diesen überhimmlischen Ort zu preisen. Der Lenker Geist aber, umringt von wahrem Wissen, wohnt an diesem Ort. Und er schenkt den Menschen Glück und sie schauen durch ihn die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Sie gewinnen Besonnenheit und unfassliche Erkenntnis“.

Platon hat diesen Ort im „Phaidon“ besungen und dabei aus pränatalen Erinnerungen des Tiefenbewussten, dem „Negativ“, der verborgenen Harmonie des Absoluten, ein „Positiv“, ein „absolutes Etwas“ gemacht, das das Weltinnen in einen „überhimmlischen Ort“, in ein Jenseits verwandelt, das als „absolute Seele“ über dem Diesseits der Entstehungsformen, der „Mutter Erde“ thront. Bei Hegel wird daraus säkularisiert die „absolute Idee“, mit der das „Paradies“ vom Anfang an das Ende der Geschichte rückt, bei Marx materialisiert die Idee zum „wissenschaftlichen Sozialismus“, der die Ausbeutung beendet und im digitalen Kapitalismus zur „künstlichen Intelligenz“, die dem Körper ein ewiges Leben verspricht. So versucht die moderne Idee „Fortschritt“ als Zukunft zu leben und wird dabei von der Gegenwart eingeholt, überholt, indem der vom Fortschritt bekämpfte Tod die Gattung Mensch durch Naturkatastrophen in bisher unbekanntem Ausmaß bedroht. Wir durchleben eine Zeitenwenden. Der Mensch steht, wie der Gott im Mittelalter, vor einem Abgrund, den er selbst erschaffen hat.

Das Leben ist für den Lebenden ein Nichts, das vom absoluten Nichts, vom Tod aus betrachtet: All(es), Sinn in sich selbst, ewiges Leben ist. Das gleiche „aus sich rollende Rad“ (28) – die „fröhliche Wissenschaft“ (29) Lebenleben – ist ein Hamsterrad, wenn es ein Ziel bekommt. Eben das hat die einseitige rationale Aufklärung vollbracht. Sie wollte einen „Neuen Menschen“ in einer „Neuen Welt“, indem sie den Kreislauf von Leben und ewigem Leben, von Geburt und Tod, sprengte und das Rationale vom Irrationalen trennte, so dass die eigene Irrationalität, die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch Wachstum, ausgeblendet wird. So bestand der „geistige Fortschritt“ nie darin, dass die Natur im Menschen die Augen aufschlägt, damit dieser, wie Schelling glaubte, ihr spiegelt, „dass sie da ist“. Die Natur wartete auch nicht mit Fichte auf ein „absolutes Ich“, das ihr mit Hegels „absoluter Idee“ erklärt, sie müsse vom „Verharren im Anderssein“ (die „Ewige Wiederkunft“ bei Nietzsche) zu einer „Form des Andersseins“ („Im Anfang war die Tat“ in Goethes „Faust“) wechseln. Selbst Kant, der sich fragte „Was kann ich wissen?“ und in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ feststellt: „Die Ordnung und Regelmäßigkeit an den Erscheinungen, die wir Natur nennen, bringen wir selbst hinein, und würden sie auch nicht darin finden können, hätten wir sie nicht, oder die Natur unseres Gemüts, ursprünglich hineingelegt“, kommt nicht in seiner „Transzendentalphilosophie“ an, weil er lediglich rationalisiert, was die Ratio alles nicht kann. Philosophisch ist der Knoten nicht zu lösen. Das Problem ist das lineare Denken der Reflexion. Historisch, auf der Zeitachse, denken wir nicht räumlich. Das kann nur das dritte Auge. Der Mensch hat zwei, die sinnlich der Zeit dienen, und eines, das geistig den Raum schaut. Das geistige Auge Einsicht lehrt: Erkennender erkenne, dass die Erkenntnis nicht das zu Erkennende ist. Soweit kommt auch Kant, er sieht mit dem geistigen Auge das „a priori“, doch darin keine pränatale „Entstehungsform“, ein „Ding an sich“, so wechselt er nicht von der Erkenntnis zur Einsicht, hebt den Zeigefinger zum „kategorischen Imperativ“ und entwirft eine „Moralphilosophie“. Statt im Jenseits von Gut und Böse zu erkennen: Das zu Erkennende bleibt unberührt, für den menschlichen Geist nicht geworden, nicht geboren. Kein Ich, kein Über-Ich (30), kein Es (31), kein Etwas kann es sein, für den begrenzten Verstand des Menschen ist es ein „Nichts“, durch den alles zwischen Himmel und Erde ewiges Werden, ewig werden ist. (32)

„Geistiger Fortschritt“ verwandelt das Nichtwissen in ein „wissendes Nichtwissen“. Alles was wir überblicken, geistig abschliessend durchdringen können, können wir als Wissen generieren, weiterreichen, vermitteln. Aus der Fülle des Lebens nimmt der Mensch spontan Wissen in die Hand, indem er es mit ihr begreift. Das durch die Hand Begriffene wird von der Hand in Zeichen verwandelt, die das geistige Sehen des Gehirns zum Bild, zur Schrift, zur Zahl übersetzt. Die organische Einheit von Geist und Natur gibt der Mensch mit der Maschine aus der Hand. Sie mechanisiert dessen Werk, macht aus der Form das Format, das fortan als „Neue Welt“ das Leben strukturiert. Heute verwandelt die Digitalisieung die mechanische Struktur zur Information, was als „smart“ empfunden und verkauft wird, weil statistisches Wissen künstliche Intelligenz generiert, aus denen Designer Anwendungen entwickeln, die dem Menschen twittern was er für seine Entscheidungen braucht. Gleichzeitig ermöglicht das Getwittere einen weltweiten, individualisierten Wissensaustausch, dessen Intensität von der Hybris getragen wird eine Technik des Allwissens zu kreieren, die eines Tages weltweit alle Problem löst. Das Gegenteil ist der Fall. Jedes lediglich technisch gelöste Problem wirft existentiell noch größere Probleme auf, weil sich existentiell ein Problem nicht durch mehr Wissen, Autofahrer kennen das Phänomen, durch die Verkörperung des „wissenden Nichtwissens“ löst. So bildet die Digitalisierung Menschen aus, die als Menschen in der analogen Welt komplett orientierungslos sind. Das ist der Kipppunkt an dem der Mensch sein Leben wieder in die Hand nimmt. Die Selbsterfahrung ohne „Ding in der Hand“ konfrontiert uns mit der leeren Hand. Wenn wir vom Selbst sprechen, meinen wir alltäglich ein „Leib/Seele-Ding“, ein Ich, dass das Denken und Haben in der Hand hat. In existentiellen Situationen erleben wir ein anderes Selbst, das ohne Leib und Seele durch uns hindurch geschieht: Das Nicht-Ich. Dieses So-Sein ohne Gewinn ist das „Feld der Leere“ – der größtmögliche Gewinn, der Neustart als „Anfängergeist“ (33). Den erklärt der US-Zen-Meister Bernie Glassman Roshi so: “Sobald wir über etwas Bescheid zu wissen glauben, machen wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge unmöglich. Sobald wir nicht mehr aus dem Nichtwissen heraus leben, fixieren wir unsere Situation so, dass wir das unablässige In-Erscheinung-Treten der Dinge und Ereignisse nicht mehr zu erleben vermögen. Die Dinge geschehen aber und nichts bleibt so, wie es ist. Indem wir jedoch Vorstellungen darüber hegen, was unserer Meinung nach geschehen sollte, hindern wir uns daran zu sehen, was tatsächlich geschieht. Uns entrüstet, wenn unsere Erwartungen sich nicht erfüllen. Gelingt es uns hingegen, sie loszulassen, befinden wir uns im Einklang mit dem, was in Erscheinung tritt.” Ein freier und glücklicher Mensch, dessen kategorisch nicht-kategorischer Imperativ: „Lebendigkeit sei!“ (34).

  • (1) „Die einzige Sache, die sich über Kunst sagen lässt, ist, dass sie eine Sache ist. Kunst ist. Kunst als Kunst, alles andere ist alles andere“, Ad Reinhardt, der mit einem suchenden Strich begann und Farbflächenmaler wurde.
  • (2) Der „Automatismus in der Kunst“ geht auf das „automatische Schreiben“, die „écriture automatique“ zurück, mit der André Breton vom Künstler forderte, sich von der „Herrschaft der Logik“ zu befreien und spontan und ohne Kontrolle durch den Verstand zu schreiben (zu malen). Die „automatische Botschaft“, die Breton anstrebte nannte Max Ernst „poetische Objektivität“, („Was ist Surrealismus“, Ausstellungskatalog Zürich 1934)
  • (3) Mit dem „Actionpainting“ von Jackson Pollock, das er selbst nur „Dripping“ nannte, kommt der „Automatismus“ endgültig in der Malerei an. In einem Interview mit William Wright antwortet 1951 Pollock auf die Frage, ob er ohne Pinsel nicht die Kontrolle über den Farbfluss verlieren: „Mit Erfahrung ist es möglich den Farbfluss zu kontrollieren, jedenfalls weitgehend, und ich, ich arbeite nicht mit dem Zufall – denn ich lehne den Zufall ab“. Daraus wird in Folge in der Kunstrezeption der „kontrollierte Zufall“.
  • (4) Bei Laotse: „Tun ohne Tun“, in späteren Abwandlungen „WuWei“
  • (5) „Wer Kalligrafie wirklich versteht, der achtet nur auf den geistigen Rhythmus und nicht auf die Form der Schrift.“ (Shu Tuan „Beurteilung der Kalligrafie“, aus: Chang Chung-yuan „Tao, Zen und schöpferische Kraft“, München 1980)
  • (6) In seinen Vorlesungen zur Ästhetik bezeichnet Hegel Kunst als „geistgeborene Wirklichkeit“. „Die Wahrheit der Kunst darf also keine bloße Richtigkeit sein, worauf sich die sogenannte Nachahmung der Natur beschränkt, sondern das Äußere muß mit einem Inneren zusammenstimmen, das in sich selbst zusammenstimmt und eben dadurch sich als sich selbst im Äußeren offenbaren kann.“
  • (7) Der Nicht-Ich-Nicht-Geist ist im ZEN alles, doch kein „absolutes Ich“, keine „absolute Seele“, keine „absolute Idee“, kein „absoluter Geist“, kein „absolutes Nichts“, kein „Ding an sich“, kein „Weltgeist“, kein „Weltwille“, kein Etwas. Schlicht und ergreifend „reiner Geist“, den wir nicht erkennen können, weil wir Teil von ihm sind und ein Teil das Ganze nicht überblicken kann, immer nur seinen Teil erkennt. Siehe auch (33).
  • (8) „Gnothi seauton“ ist eine vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi. Nietzsche bemerkt dazu in seiner Schrift „Jenseits von Gut und Böse“: „Was meinte jener Gott, welcher anriet: „Erkenne dich selbst!“ Hiess es vielleicht: „Höre auf, dich etwas anzugehn! Werde objektiv!“
  • (9) Aus dem Gedicht von Rainer Maria Rilke „O Leben Leben, wunderliche Zeit“, das er im Winter 1913/14 in Paris schrieb und in „Das Inselschiff 11“ (1930) erschien, wird hier das Wortspiel „Lebenleben“. – „O Leben Leben, wunderliche Zeit / von Widerspruch zu Widerspruche reichend / im Gange oft so schlecht so schwer so schleichend / und dann auf einmal, mit unsäglich weit / entspannten Flügeln, einem Engel gleichend: / O unerklärlichste, o Lebenszeit.“
  • (10) Rainer Maria Rilke, aus „Es winkt zu Fühlung“: „Durch alle Wesen reicht der eine Raum: / Weltinnenraum. Die Vögel fliegen still / durch uns hindurch. O, der ich wachsen will, / ich seh hinaus, und in mir wächst der Baum“.
  • (11) Im traditionellen fernöstlichen Denken haben Mensch und Tier, hat das Lebewesen Lebensgeist, ist es ein geistiges Wesen, das von der Natur zum eigenständigen Leben erleuchtet wurde. Der Mensch vergisst diese, seine „geistige Natur“, indem er sich in die Welt verliert, und erlangt sie auf dem Pfad der Tugend („Dharma“) im  ZEN als „Satori“, im Hinduismus als „Moksha“ wieder. Der Buddhismus, der sich auch als Reformation des Hinduismus verstehen lässt, entstand in einer Zeit, als die Kaste der Brahmanen für sich die „natürliche Erleuchtung“ in Anspruch nahm. Siddhartha Gautama führte die Erleuchtung wieder auf den „nicht geborenen, nicht gewordenen Geist“ zurück und zeigte mit dem „reinen Geist“ einen Weg zur „endgültigen Erleuchtung“ – ins „Nirvana“ (siehe14). Im monolithischen Denken ist alles Geist, durchwebt ein in sich, für sich „reiner Geist“ immanent-transzendent als Atem, Impuls, Bewegung, Rhythmus, Ursache und Wirkung helle und dunkle Materie, Nichts und Etwas, Licht und Schatten, Gott und Teufel, Körper und Seele, Gut und Böse, Krieg und Frieden. Der Gegensatz wohnt dem Einen inne, bewegt und verfestigt es. Als Beispiel dient das Wasser, das vollständig zur Ruhe gekommen eine glatte Fläche bekommt, in der sich alles spiegelt, das aufgewühlt schäumt und sich als Meerschaum materialisiert.
  • (12) Als: „formae nativae“ („Entstehungsformen“) bezeichnete der französische Gelehrte Bernhard von Chartres (gestorben nach 1124) Formen, die er als „aktiv vermittelndes Prinzip zwischen der Ideenwelt und der Materie“ einführte. Bekannt ist von ihm vor allem das Gleichnis: „Zwerge auf den Schultern von Riesen“. Chartres führt in ihm aus, dass er und seine Zeitgenossen Zwerge seien, die auf den Schultern von Riesen (den antiken Gelehrten) sitzen und diese dadurch an Weitblick überragen, obwohl ihre Eigenleistung vergleichsweise gering ist.
  • (13) Die Göttin „Pachamama“ („Mutter Erde, Mutter Welt, Mutter Kosmos“) gilt einigen indigenen Völkern der Anden Südamerikas als personifizierte Erdmutter, die Leben in vielfacher Hinsicht schenkt, nährt, schützt und in Ritualen mit dem Menschen kommuniziert.
  • (14) „Yin und Yang“ sind zwei Begriffe der chinesischen Philosophie, insbesondere des Taoismus. Sie stehen für entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Pole oder Prinzipien des Einen „I Ging“ (Buch der Wandlungen) oder „Tao“ (Weg).
  • (15) „Nirvana“ bedeutet „Erlöschen“, wörtlich „verwehen“, „erfassen“ im Sinne von verstehen. („Eine Sache, die sich aufklärt, hört auf, uns etwas anzugehn“, sagt Nietzsche in seiner Schrift „Jenseits von Gut und Böse“). Doch im Gegensatz zur modernen Aufklärung des Westens, in der die Rationalität sich die Irrationalität untertan macht, ist der Buddhismus eine holistische Aufklärung, die das Rationale aus dem Irrationalen und das Irrationale aus dem Rationalen versteht, so dass sich hier alle falschen Vorstellungen vom Dasein, wie Ich-Sucht, Neid, Gier, Identität, Anhaftung, Hunger und Durst nach Leben, die Aufklärung nebst der Aufklärer, in „Bewusstsein“ auflösen. Der leibhaftige Buddha, Siddhartha Gautama, ist nicht identisch mit den Statuen, die es im Baumarkt zu kaufen gibt. Von Siddhartha gibt es kein Bild. Der uns geläufige „Buddha“ ist ein Symbol für den „reinen Geist“. „Bleib ohne Tun – nichts, das dann ungetan bliebe.“ (Laotse, „Tao-Te-King“, Kapitel 48/111)
  • (16) „Divide et impera“ (Teile und herrsche) ist eine Redewendung, ein lateinischer Imperativ, der empfiehlt, eine zu besiegende oder zu beherrschende Gruppe (wie z. B. ein Volk) in Untergruppen mit einander widerstrebenden Interessen aufzuspalten. Dadurch soll erreicht werden, dass die Teilgruppen sich gegeneinander wenden, statt sich als Gruppe vereint gegen den gemeinsamen Feind zu stellen.
  • (17) 500 Jahre vor Christus beginnt man in der griechischen Antike zwischen Mensch und Tier zu differenzieren, taucht die „menschliche Natur“ als medizinischer Terminus erstmalig auf. Philosophisch bleibt man bei der Einheit der Gegensätze: „Natur und Erziehung haben eine gewisse Ähnlichkeit, denn auch die Erziehung wandelt den Menschen um, durch diese Umwandlung aber schafft sie Natur.“ (Demokrit) Aristoteles greift in seiner „Rethorik“ den Gedanken auf: „Lernen impliziert [das] Sich-Versetzen in den Zustand, der der Natur entspricht.“ In der „Nikomachischen Ethik“ vergleicht er Naturanlage und Gewohnheit des Menschen und schlussfolgert, dass sie „der Natur gleicht“. In der „Metaphysik“ spricht er schließlich in Zusammenhang mit zahlentheoretischen Überlegungen von der „anderen Natur“. Aus diesen beiden Denkansätzen, der Umwandlung der Gewohnheit des Menschen zu einer Natur, die „der Natur gleicht“ und der Erschaffung einer „anderen Natur“ durch Berechnung und Arbeit, wird in Rom 45 vor Christus in Ciceros Reflektionen „Über die Ziele des menschlichen Handelns“ schließlich: „Wir versuchen mit unseren Händen inmitten der Natur gleichsam eine zweite Natur zu schaffen“.
  • (18) Im dualistischen Denken wird aus der Polarität des Geistes eine Dualität, mit der der Geist absolut, als das vom Etwas Getrennte erscheint. Als „absoluter Geist“ ist er Gott im Himmel oder der „objektive Geist“ aus dem Labor. Das widerspruchsfreie Denken schließt dabei den Widerspruch aus, kennt nur das „Entweder-oder“, während das dialektische Denken den Widerspruch zum „Sowohl-als-auch“ einbezieht. „Etwas ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten.“ Hegels „Wissenschaft der Logik“ versucht die Logik des Menschen in die Nichtlogik der Natur zu integrieren und denkt: These (Verstand), Antithese (Negation), Synthese (Vernunft als Einheit der Widersprüche). Bei ihm ist die Synthese die Antithese zur formalen Logik aus These und Antithese, so dass sein Denken zum Denken in Bewegung wird: „Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein.“ („Vorlesung über die Geschichte der Philosophie“). Damit befördert ein Philosoph, der das Christentum als „vollendet Religion“ ansieht und die Philosophie als „objektive Religion“ versteht, das „Paradies“ vom Anfang an das Ende der Geschichte. Hegels Denken fußt im deutschen Idealismus, in der Naturphilosophie von Schelling und Fichte, und liest sich über weite Strecken monolithisch, ist jedoch das Gegenteil. Im monolithischen Denken ist das „Paradies“ weder im Himmel noch am Anfang oder Ende der Geschichte, ist es der „Himmel auf Erden“, das „Hier und Jetzt“.
  • (19) Jesus in der Bergpredigt
  • (20) so sahen Heidegger und Sartre den Menschen
  • (21) „Wir sind alle Wilde“, sagt der Biologe und Philosoph Andreas Weber in seinem Buch „Indigenialität“ und verdeutlicht, dass unsere Zivilisation nicht nur die Indigenen kolonialisiert hat, sondern auch unser eigenes Denken.
  • (22) Im ersten Band „Blasen“ seiner Trilogie „Sphären“ nennt Peter Sloterdijk die pränatale Symbiose zwischen Mutter und Kind „Zwei-Einheit“.
  • (23) In Platons Apologie thematisiert Sokrates an fünf Stellen ausdrücklich sein Nichtwissen oder seinen Mangel an Weisheit. Er behauptet jedoch nicht, wie Ciceros ungenaue lateinische Wiedergabe seiner Auffassung annehmen lässt, dass die Kenntnis seiner eigenen Unwissenheit ein echtes, gesichertes Wissen sei und damit die einzige Ausnahme von der Unwissenheit darstelle. Vielmehr besagen die Äußerungen des Sokrates nach Platons griechischem Text nur, dass er sich des Umstands bewusst sei, dass ihm Weisheit oder ein wirkliches, über jeden Zweifel erhabenes Wissen fehle. Zudem geht es dem platonischen Sokrates nicht um technisches Fachwissen, sondern um Bestimmungen im Bereich der Tugenden und die Frage nach dem Guten. Was ist Besonnenheit? Was ist Tapferkeit? Was ist Frömmigkeit? Was ist Gerechtigkeit? Die wahre menschliche Weisheit ist es, sich des Nichtwissens im Wissenmüssen des Guten bewusst zu sein. (Wikipedia)
  • (24) „Ubuntu“ – wörtlich: „Ich bin, weil du bist“ – die Erfahrung und das Bewusstsein, dass alles Teil eines Ganzen ist. Eine Lebensphilosophie, die in Südafrika (Nelson Mandela) praktiziert wird. Das Wort „Ubuntu“ kommt aus den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa und bedeutet in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“.
  • (25) Die „Neue Welt“ ist eine historische Bezeichnung für das von den Spaniern unter Christoph Kolumbus im Jahr 1492 aus europäischer Sicht „entdeckte“ Amerika. In Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ wird daraus 1932 ein dystopischer Blick auf die Moderne.
  • (26) Was heute mit der Maschine, bzw. künstlichen Intelligenz gleichgesetzt wird klang bei Goethe noch ganz anders: „Der Künstler gibt, dankbar gegen die Natur, die auch ihn hervorbrachte, ihr eine zweite Natur, aber eine gefühlte, eine gedachte, eine menschlich vollendete zurück…“ (Aus: „Diderots Versuch über die Malerei“)
  • (27) Hegel, Gesammelte Werke, Bd. 6, Seite 321
  • (28) „Also sprach Zarathustra“, Friedrich Nietzsche, Reclam Seite 21. Im Kapitel „Von den drei Verwandlungen“, skizziert Nietzsche wie der Geist des Menschen vom Kamel „Du sollst“, zum Löwen „Ich will“ wird und schließlich, „Unschuld und Vergessen“, das innere Kind, das „aus sich rollende Rad“ erinnert.
  • (29) „Die Fröhliche Wissenschaft“ heißt ein 1882 von Friedrich Nietzsche geschriebenes Buch, das 1887 von ihm überarbeitet wurde und als Untertitel den Spruch bekam: „Ich wohne in meinem eignen Haus / Hab Niemandem nie nichts nachgemacht / Und – lachte noch jeden Meister aus / Der nicht sich selber ausgelacht.“
  • (30) „Das Über-Ich ist für uns die Vertretung aller moralischen Beschränkungen, der Anwalt des Strebens nach Vervollkommnung, kurz das, was uns von dem sogenannt Höheren im Menschenleben psychologisch greifbar geworden ist.“ (Sigmund Freud)
  • (31) „Das Ich und das Es“ ist eine Schrift von Sigmund Freud, die 1923 veröffentlicht wurde. Freud entwickelte darin ein „Modell der Psyche“ und ihrer Funktionsweise. Das Seelenleben wird demnach durch die Beziehungen zwischen drei Instanzen bestimmt, die schrittweise auseinander hervorgehen: dem Es, dem Ich und dem Über-Ich. Das Es enthält die psychischen Repräsentanzen der organischen Triebe, die auf sofortige Befriedigung drängen. Es enthält außerdem das Verdrängte: Vorstellungen, die früher bewusst waren. Das Es ist von der Außenwelt abgeschnitten; unter dem Einfluss der Außenwelt entsteht aus ihm das Ich. Das Ich kontrolliert den Zugang zur Außenwelt durch Wahrnehmung und Motorik und versucht, gestützt auf das Denken, eine realitätsangemessene Befriedigung der Es-Bedürfnisse herbeizuführen. Aus dem Ich entwickelt sich durch die Identifizierung mit den Eltern das Über-Ich. Das Über-Ich richtet seine Aggression gegen das Ich und kritisiert es; das Ich reagiert hierauf mit Schuldgefühlen, die häufig unbewusst sind. (Wikipedia: „Das Ich und das Es“)
  • (32) „Den Weg zu studieren heißt, sich selbst zu studieren. Sich selbst zu studieren heißt, sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet, eins zu werden mit allen Existenzen“, Zen-Meister Dogen Zenji, 1200-1253
  • (33) Aus: Shunryu Suzuki “Zen-Geist, Anfänger-Geist”, Theseus Verlag 2014: „Was wir „Ich“ nennen, ist nur eine Schwingtür, die sich bewegt, wenn wir einatmen und ausatmen.“ (…) „Für ZEN-Schüler ist es das wichtigste, nicht dualistisch zu sein. Unser “ursprünglicher Geist” enthält alles in sich. Er ist immer reich und genügt sich selbst. Diesen euren selbstgenügsamen Geisteszustand solltet ihr nicht verlieren. Damit ist kein verschlossener Geist gemeint, sondern dass er wirklich leer und bereit ist. Wenn euer Geist leer ist, ist er stets für alles bereit; er ist offen für alles.“
  • (34) „Lebendigkeit sei! – Für eine Politik des Lebens. Ein Manifest für das Anthropozän“. Titel einer Streitschrift von Andreas Weber und Hildegard Kurt, die radikal den Ausbruch aus der westlichen Dualität, der Trennung von Natur und Geist fordert. „Wenn wir die Welt als lebendig erfahren, wird es unmöglich, unsere Beziehungen zueinander und zur Materie weiterhin als Ausbeutung von Ressourcen zu gestalten. Das Anthropozän lässt sich nur überstehen, wenn wir begreifen, dass nicht nur der Mensch die Natur durchdringt, sondern dass etwas uns ausmacht, das nicht anthropogen ist: unsere sich selbst organisierende, in Begriffen ­unverstehbare, in die Wirklichkeit von Ökosystemen eingewobene Lebendigkeit.“