DAS EINRÄUMENDE NICHTS
Planetarisch gedacht

Christlich gedacht hat Gott die Welt und mit ihr das Weltbild erschaffen. So sagt er uns »Du sollst dir kein Bild machen, kein Abbild dessen, was im Himmel droben und was auf Erden hierunten und was im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht niederwerfen vor ihnen und ihnen nicht dienen …« Der Gott, der uns das sagt, ist abstrakt. Nicht sein Antlitz die monotheistisch aktive kontemplative Idee, ist er. Mit ihm tritt exklusiv der Mensch als Krönung der Schöpfung in Dialog und darf dem Getier Namen geben. So ist für den Menschen im Anfang das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
Mit dem Sündenfall aus christlicher Sicht, der rationalen Aufklärung trennt der Mensch kontemplativ und aktiv Körper und Geist voneinander. So vergessen wir das Kontemplative und urteilen dafür aktiv über richtig und falsch, Gut und Böse. So modifizieren wir durch Idee und Technik, die im ersten Schritt denken und im zweiten Schritt skalieren, in Vollendung zur Maschine und KI werden, stets im Namen des Richtigen das Bild. Aus der göttlichen Schöpfung wird das Gesetz der Natur, durch das alles ist, was es ist. Ein gesetztes Weltbild, das gegenständlich, abstrakt oder informell betrachtet werden kann, je nachdem, wer die Frage stellt und worauf eine qualifizierte Menschheit sich geeinigt hat.
Allein das Weltbild, ob in der Illusion durch einen Gott die Natur oder den Menschen erschaffen, macht da nicht mit. Sein Gesetz kennt weder einen Gott noch Gut und Böse, Richtig und Falsch. Es ist Autopoiesis, Selbsterhalt und Selbsterschaffung dessen, was Religion und Aufklärung, also der Mensch, für sich beansprucht. Obwohl er nur eine Episode im großen Gebilde ist, ein Geschöpf, das im Ringen für das vermeintlich Richtige keinen Tag ohne Krieg kennt.
Folgen wir der Autopoiesis*, sehen wir, dass Welt und Bild, Wort und Schrift (Sage und Spur) planetarisch von Pflanze, Tier oder Mensch unterschiedlich verkörpert, durch die Wechselwirkungen von Ursache und Wirkung im Zufall entstehen. Gemeinsam ist allen der namenlose Wurf. Von ihm angesprochen folgen sie dem Nichtwissen und wollen es wissen, ohne es mit ihrem Entwurf wissen zu können, weil alles Teil des Nichtwissens ist und bleibt.
Eingeräumt im Nichts sind Geburt und Tod, Zeit und Ewigkeit, Raum und Leere eins. Das Eine, indem alles ruht, aus dem alles kommt und in das alles wieder kehrt. Die „verborgene Harmonie ist stärker als offenkundige“. Doch sie hat einen großen Feind. Die Gier des Menschen. Die Gier des Menschen nach Macht, Wissen, Glauben, Sicherheit, Rohstoffen und Profit.
Der Sozialismus hat mit der Enteignung der Enteigner die Profitgier ausgebremst. Doch indem er in Konkurrenz zum Kapitalismus wie dieser männlich technologisch und nicht weiblich planetarisch dachte, wurde sein Scheitern das Gegenteil. Die vollständige Enthemmung der Gier. Aus der Befreiung des Menschen aus den Zwängen der Natur durch Technik ist nun die Befreiung der Technik vom Menschen geworden.
Männer mit Macht, Geld und dem Hunger nach Ordnung sind mithilfe der KI zur Weltflucht nach vorn angetreten. Ein KI-generiertes Paradies, in Grönland erprobt ist auf dem Mars das Ziel. Für die Eroberung des Weltraums lassen sie den von ihrer Gier zerstörten Planeten Erde als Abfall, sowie das planetarische Geschöpf Mensch gern zurück. Nur der transhumane Übermensch wird nach ihrer Überzeugung den vom monotheistischen Gott an den Menschen gegebenen Auftrag erfüllen und seine Kontemplation durch die Aktionen der Superintelligenz ohne Sündenfall des planetarischen Menschen vollenden, dafür unsterblich sein.
Befreit aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit des technologischen Verstandes ist der „Universalismus“ keine patriarchale Idee für die aufgeklärte „Menschheit“ mehr, keine Weltflucht nach vorn in die Superintelligenz. Sondern die weibliche Intuition einer fraktalen statt euklidischen kontemplativ-aktiven Welt aus Geburt und Tod des Anorganischen aus dem Organischen und umgekehrt.
So ist Nichtwissen kein Nichts, kein intellektuelles Versagen, dass ich nichts weiß. Das exakte Gegenteil, die kontemplativ-aktive Entfaltung von Offenheit und Weite, die neues Wissen und Denken braucht, um jeder Zeit in sich selbst zurückzukehren. Das macht aus dem Planeten Erde ein Paradies für Pflanze, Mensch und Tier.
*Autopoiesis oder Autopoiese (altgriechisch autos, deutsch ‚selbst‘ und poiein „schaffen, bauen“) ist der planetarische Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung von Leben und Welt durch die Nichtwissenschaft.
(JT, Januar 2026)
