NICHTWISSENSCHAFT


DAS EINRÄUMENDE NICHTS

Planetarisch gedacht


 

„PINGUIN-BEGRÜSSUNG“ (Ausschnitt), 12/24 Chinatusche auf Reispapier auf weiß grundierte Leinwand geleimt, mit Passepartout 70×100 cm

 

Christlich gedacht hat Gott die Welt und mit ihr das Weltbild erschaffen. So sagt er dem Menschen „Du sollst dir kein Bild machen“, dafür überließ er uns die Gabe der Namen. Damit ist für den Menschen im Anfang das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.

Mit dem Sündenfall aus christlicher Sicht, der rationalen Aufklärung aus weltlicher Perspektive holte der Mensch das Wort zurück auf die Erde und aus dem Schöpfergott wurde das Gesetz der Natur, durch das alles ist, was es ist. Ein gesetztes Weltbild, das gegenständlich, abstrakt oder informell betrachtet werden kann, je nachdem, wer die Frage stellt und worauf eine qualifizierte Mehrheit sich geeinigt hat.

Allein das Weltbild, ob in der Illusion durch einen Gott die Natur oder den Menschen erschaffen, macht da nicht mit. Sein Gesetz ist Autopoiese, die Selbsterschaffung und der Selbsterhalt dessen, was Religionen und Aufklärungen durch das Wort, also der Mensch für sich beansprucht. Obwohl er nur eine Episode im großen Gebilde ist.

Folgen wir der Autopoiese*, sehen wir, dass Welt und Bild, Wort und Schrift (Sage und Spur) planetarisch von Pflanze, Tier oder Mensch unterschiedlich verkörpert, durch die Fügung im Zufall entstehen. Gemeinsam ist allen das Namenlose. Von ihm angesprochen folgen sie dem Nichtwissen und wollen es wissen, ohne es je wissen zu können, weil alles Teil des Nichtwissens ist und bleibt.

Eingeräumt im Nichts sind Geburt und Tod, Zeit und Ewigkeit, Raum und Leere eins. Das Eine, indem alles ruht, aus dem alles kommt und in das alles wieder kehrt. Die „verborgene Harmonie ist stärker als offenkundige“ (Heraklit). Doch sie hat einen großen Feind. Die Gier des Menschen. Die Gier des Menschen nach Sicherheit, Macht, Wissen, Glauben, Rohstoffen und Profit. 

Der Sozialismus hat mit der Enteignung der Enteigner die Profitgier ausgebremst. Doch indem er in Konkurrenz zum Kapitalismus wie dieser männlich technologisch und nicht weiblich planetarisch dachte, wurde sein Scheitern das Gegenteil. Die vollständige Enthemmung der Gier. Aus der Befreiung des Menschen aus den Zwängen der Natur durch Technik ist nun die Befreiung der Technik vom Menschen geworden.

Männer mit Macht, Geld und dem Hunger nach Ordnung sind mit Hilfe der KI zur Weltflucht nach vorn angetreten. Ein KI generiertes, in Grönland erprobtes Paradies auf dem Mars ist ihr Ziel. Für die Eroberung des Weltraums lassen sie den von ihrer Gier zerstörten Planeten Erde und als Abfall den planetarischen Menschen gern zurück.

Befreit aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit des technologischen Verstandes ist der „Universalismus“ keine patriarchale Idee für die aufgeklärte „Menschheit“ mehr, keine Weltflucht nach vorn in die Kopie des Bildes durch die KI. Sondern ein „Stirb, und werde!“ der Welt durch Geburt und Tod des Anorganischen aus dem Organischen und umgekehrt. 

So ist Nichtwissen kein moralisch intellektuelles Eingeständnis mehr, dass ich nichts weiß. Sondern das Gegenteil, Offenheit und Weite, die neues Wissen und Denken braucht, um sich zu entfalten und jeder Zeit in sich selbst zurückzukehren. Das macht aus dem Planeten Erde ein Paradies für Pflanze, Mensch und Tier.

 


*Autopoiesis oder Autopoiese (altgriechisch autos, deutsch ‚selbst‘ und poiein „schaffen, bauen“) ist der planetarische Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung von Leben und Welt durch die Nichtwissenschaft


(JT, Januar 2026)